5 Gründe für den Betriebsrat, eine Unternehmensberatung ins Haus zu holen

Der Betriebsrat beauftragt eine Unternehmensberatung – das perfekte Paradoxon, möchte man meinen. Doch was paradox klingt, ist in höchstem Maße logisch. Denn der Fokus einer zukunftsorientierten Unternehmensberatung liegt in der langfristigen Gewinnsteigerung. Und die ist untrennbar an das Wohlergehen des einzelnen Mitarbeiters gekoppelt.

© pixabay.com, 5 Gründe für den Betriebsrat

„Unternehmensberatungen sind oftmals stark darauf fokussiert, Gelder einzusparen und Personalkosten zu senken, dabei müsste vor dem Hintergrund unseres Wachstums eigentlich Personal aufgestockt werden“,

kritisiert Nicole Machens, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende des Pharmaunternehmens Bionorica SE. Jedoch räumt sie ein, dass eine produktive Zusammenarbeit mit einer Unternehmensberatung ihrer Erfahrung nach definitiv möglich ist. Wir haben fünf Gründe dafür zusammengestellt, dass ein Betriebsrat bei Problemen sogar selbst eine menschlich ausgerichtete Unternehmensberatung ins Haus holen sollte.

1. Analysekennzahlen führen zu Neueinstellungen

Richard Tschernatsch ist Betriebsratsvorsitzender des Chemieunternehmens Clariant GmbH. Als das Unternehmen vor etwa zehn Jahren begann, immer mehr zu produzieren, aber keine neuen Stellen geschaffen wurden, wuchs der Druck auf die Belegschaft immens. Daraufhin organisierte Tschernatsch eine interne Kennzahlenanalyse. Die Ergebnisse, die er dann Standortleiter Leonhard Unverdorben präsentierte, sprachen Bände: Neue Mitarbeiter mussten her. Sowohl, um den Stress unter den Mitarbeitern zu reduzieren, als auch, um das Leistungsspektrum halten zu können. Seit den Neueinstellungen hat sich die Lage im Arbeitsalltag der Clariant-Mitarbeiter entspannt.

Tschernatschs Leistung ist beachtlich. Das, was viele Unternehmen mithilfe mehrerer Beratungsfirmen tun, hat er lediglich gemeinsam mit seiner Stellvertreterin Bettina Dittrich organisiert. Nicht umsonst wurde ihm am 8. November der Deutsche Betriebsräte-Preis verliehen. Bei allem Respekt muss jedoch eine Tatsache in den Blick genommen werden: Der Teil der Belegschaft, den Tschernatsch, Dittrich und Unverdorben aufstockten, bewegt sich im produzierenden Sektor. Input, Output und benötigte Arbeitszeit können in diesem Bereich mehr oder weniger eindeutig erfasst werden.

Kennzahlenanalyse an nichttechnischen Arbeitsplätzen

Anders verhält es sich an nichttechnischen Arbeitsplätzen, an denen es jedoch genauso zu Überlastungen und Leistungsrückgängen kommen kann. In diesem Fall kann eine kompetente Beratungsfirma unterstützen, die anhand detaillierter Mitarbeiterinterviews die reale Auslastung ermittelt. Wenn die Berater eine Überlastung erkennen, werden auch sie der Geschäftsführung zu Neueinstellungen raten. Denn diese führen zwar kurzfristig zu Kostensteigerungen, langfristig steigern sie aber die Marge, weil Fehlzeiten vermieden werden und viele Mitarbeiter nun einmal mehr Leistung erbringen können als wenige. Das Ergebnis ist das gleiche wie an technischen Arbeitsplätzen: Der Stress sinkt, die Performance steigt.

2. Wer die Arbeitsauslastung ermittelt, vermeidet Erkrankungen

„Burnout kommt schleichend – bis das Stadium erreicht ist, in dem nichts mehr geht. In dem die Energiereserven aufgebraucht sind und sich emotionale Leere breitmacht“,

leitet Kathrin Schwarzmann, Arbeitspsychologin bei der Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik (BGHW) ihren Artikel Burnout: Gib mir null… Hamsterrad! ein. Dabei betont sie, dass Burnout ein Thema für jeden sein kann:

„Häufig trifft es die Fleißigen und Ehrgeizigen an der Basis.“

Die Ursachen für das Nicht-mehr-Können sieht sie im „Termin- und Leistungsdruck“. Darüber hinaus fehle es häufig „an Lob, Anerkennung und Wertschätzung von Führungskräften und Kollegen, die es für ein gesundes Arbeiten und Miteinander braucht“. Sie rät:

„Sprich auch so früh wie möglich mit Deiner Führungskraft und Deinen Kollegen, um gemeinsam Lösungen für Deine Situation zu finden.“

Betriebsrat und Geschäftsführung für die Gesundheit der Mitarbeiter

Somit liegt auf der Hand, dass Burnout kein privates Thema ist, um das sich jeder selbst kümmern muss. So ist es natürlich Aufgabe des Betriebsrates, die Gesundheit der Mitarbeiter zu schützen. Aber keinesfalls darf er damit alleine gelassen werden. Denn abgesehen davon, dass man voraussetzen können sollte, dass Menschen nach ihren Möglichkeiten ihre Mitmenschen unterstützen, haben nicht nur Führungskräfte und Kollegen, sondern auch die Unternehmensspitze ein ganz eigenes Interesse an der Gesundheit der Mitarbeiter. Wer gesund ist, ist motivierter, und wer motiviert ist, erbringt gute Arbeit. Ganz davon abgesehen, ist der Arbeitgeber laut BGHW sogar verpflichtet, „die psychischen Belastungen am Arbeitsplatz in einer Gefährdungsbeurteilung [zu] ermitteln“. Aber auch die physische Gesundheit – die in vielen Fällen untrennbar mit der psychischen verknüpft ist – ist ein grundlegendes Thema für beide Seiten. So zielen Betriebsrat und Unternehmensspitze auf denselben Punkt: Die Gesundheit der Mitarbeiter.

Eine perspektivisch denkende Unternehmensberatung setzt daher ebenfalls diesen Fokus. Sie kann gesundheitsschädigende Tendenzen bereits an der Basis erkennen, denn sie hört jedem einzelnen Mitarbeiter aufmerksam zu. Letztendlich ist es ihre Aufgabe, Überlastungen und persönliche Differenzen aufzudecken und in Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat und der Geschäftsführung einen gesunden Weg zu finden.

Aktueller Hinweis:

Eine derzeit geplante Gesetzesänderung kann sowohl für den Arbeitgeber als auch für Arbeitnehmer und Betriebsrat zu einer großen Hürde für die Förderung der Mitarbeitergesundheit werden. Seit 2008 gibt es immense steuerliche Vorteile für Betriebliches Gesundheitsmanagement. Nun ist geplant, ebendiese Steuervorteile an Zertifizierungen durch die Krankenkassen zu knüpfen, wodurch sehr viele effektive Maßnahmen durch das Raster fallen würden. Wenn also der Arbeitgeber das Betriebliche Gesundheitsmanagement reduziert, ist dies kein Affront gegen die Belegschaft, sondern eine finanziell bedingte Zwangsmaßnahme. Genaueres zu den Plänen lesen Sie hier:

Informationen zur aktuellen Gesetzeslage finden Sie hier.

3. So viel Arbeitsschutz wie nötig, so wenig Bürokratie wie möglich

Besonders im Labor-, Distributions- oder Lagerbetrieb ist die Vermeidung von Arbeitsunfällen essentiell. Natürlich ist dies im Arbeitsschutzgesetz geregelt. Aber jedes Unternehmen kann noch einige Schritte weitergehen, wenn es um die Sicherheit der Mitarbeiter geht. Und das sollte es auch – wenn dies die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter verbessert. Denn die Mitarbeiter sind es, die täglich beobachten, wo Gefahren bestehen, die gebannt werden könnten. Umgekehrt wissen auch sie am besten, an welchen Stellen sie durch Maßnahmen, die über das Gesetz hinausgehen, in ihrer Arbeit behindert werden. Ein Stichwort ist hier beispielsweise Bürokratie: Erlegt die Unternehmensspitze den Mitarbeitern zu viele Dokumentationspflichten auf, kann dies zu Langeweile auf der einen und zu Überlastungen auf der anderen Seite führen.

Suchen Betriebsrat und Geschäftsführung Unterstützung bei einer kompetenten Unternehmensberatung, kann diese genau ermitteln, wo der Schuh den Mitarbeitern drückt. Auf diese Weise können die Arbeitsbedingungen verbessert und Fehlzeiten vermieden werden.

4. Prozessoptimierung verbessert das Arbeitsklima

Ineffizienz macht unzufrieden. Der Fehlzeiten-Report 2018 zum Thema Sinn erleben – Arbeit und Gesundheit belegt, dass Mitarbeiter, die ihre Arbeit als sinnvoll empfinden, seltener krankheitsbedingt fehlen. Prozesse, die durch überflüssige oder redundante Schritte künstlich gestreckt werden, lösen verständlicherweise Unmut bei der Belegschaft aus. Anstatt die eigenen Fähigkeiten und Kenntnisse kreativ und produktiv einsetzen zu können, müssen die Mitarbeiter endlose Papierprozesse verfolgen, die leicht digitalisiert oder zumindest verkürzt werden können. Zusätzlich wird der Prozess vielleicht durch sehr viele Freigabeschritte künstlich so gestreckt, dass der Mitarbeiter das Ergebnis seiner eigenen Arbeit kaum noch wahrnimmt.

Dass solche Prozesse außerdem teuer sind, ist eindeutig. Betriebsrat und Geschäftsführung sollten also an einem Strang ziehen und, gegebenenfalls in Zusammenarbeit mit einer auf menschliche Prozessoptimierung spezialisierten Unternehmensberatung, dafür sorgen, dass die Mitarbeiter die Ergebnisse ihrer Arbeit als Erfolg wahrnehmen können.

5. Eine gute Beratung ist der perfekte Mobbingkiller

Die Gründe für den Betriebsrat, eine Unternehmensberatung ins Haus zu holen, wiegen schwer.

© pixabay.com, Die Gründe für den Betriebsrat, eine Unternehmensberatung ins Haus zu holen, wiegen schwer.

Hans Schneider, Leiter des Instituts zur Fortbildung von Betriebsräten fordert ein Gesetz gegen Mobbing.

„Das Erschreckende ist, dass der Chef die Schikane meist toleriert, manchmal sogar vorantreibt“,

prangert er die Führungsetagen betroffener Unternehmen an. „Warm anziehen“, ist sein Stichwort, wenn das Thema auf den Tisch kommt. Gleichzeitig räumt er ein, dass „warm anziehen“ eine harte Aufgabe sein kann, „wenn durch Mobbing Arbeitsmotivation und Selbstzweifel erst einmal leiden“.

Dabei läuft es jedoch nicht nur dem Betriebsrat eiskalt den Rücken hinunter. Denn wenn es an Arbeitsmotivation mangelt, leidet auch die Performance und somit der zählbare Gewinn. Auch Selbstzweifel sind eine große Hürde für langfristige Gewinne: Wer treibt schon mutig Innovationen voran, wenn er nicht an sich glaubt? Von einem Commitment, das garantiert auf Eis liegt, ganz zu schweigen.

An diesem Punkt treffen sich also die Interessen beider Seiten: Die der Mitarbeiter und somit auch die des Betriebsrates auf der einen und die der Unternehmensspitze auf der anderen Seite. Somit streben im Endeffekt beide Seiten das gleiche Ziel an: Jede Form von Mobbing zu beenden.

Eine gute Unternehmensberatung arbeitet nicht gegen dieses Ziel an, sondern unterstützt alle Beteiligten dabei, es zu erreichen. Kurzfristig Personalkosten zu reduzieren, kann nicht das Ziel sein. Im Gegenteil: Die Arbeitsmotivation, somit die Zufriedenheit und im Endeffekt die gewinnbringenden Leistungen der Mitarbeiter werden durch kopflose Rationalisierungen geradezu eingestampft.

Stattdessen muss eine Beratungsfirma die Stellen im Unternehmen identifizieren, an denen Mobbing das Arbeitsklima gefrieren lässt. In detaillierten und anonymisierten Mitarbeiterinterviews muss jeder Einzelne zu Wort kommen. Qualifizierte Berater sind dann in der Lage, die Gesamtheit einer „Problemabteilung“ zu betrachten und – gemeinsam mit der Unternehmensspitze und dem Betriebsrat entsprechende Maßnahmen zu erarbeiten.

Mehr zu den Themen Personalmanagement und Leadership lesen Sie hier.

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