Geschäftsführer Christian Graubner im Interview. Teil 2

Christian Graubner ist Geschäftsführer der 3 Perspektiven GmbH. Die Unternehmensberatung aus Eisenach hat er im Jahr 2014 gemeinsam mit Lars Platzdasch gegründet. Der Slogan des Unternehmens lautet: „Prozesse optimieren. Menschen verstehen.“ Im Laufes des Herbstes offenbart Graubner, was sich hinter diesen Worten verbirgt. Hier der zweite Teil.

© 3 Perspektiven GmbH, Die Geschäftsführer Christian Graubner (l.) und Lars Platzdasch (r.)

Im ersten Teil unserer Interviewreihe sagte Graubner:

„Ich glaube, dass Unternehmensberatungen in der Vergangenheit ganz viel falsch gemacht haben. Die haben für viele Jahre einfach verbrannte Erde hinterlassen. Auf der Aufwandsseite ist es nun einmal so, dass du hundertprozentig erfolgreich bist und den Ertrag steigerst, wenn du irgendwo was wegkürzt. Und der größte Posten ist einfach Personal. Das ist der Grund, warum es ganz viele Stellenstreichungen gegeben hat. […] Ich bin auch der Meinung, Unternehmensberatungen, die so sind, sind einfach eine Katastrophe.“

Aus dieser Antwort ergibt sich eine naheliegende Frage:

Was tun Sie, wenn Sie feststellen, dass eigentlich zu viel Personal eingesetzt wurde?

Graubner: Dann sprechen wir das ganz offen an und dann ist natürlich sofort der Gedanke da: „Oh, werden jetzt Arbeitsplätze gestrichen?“ In der Praxis sieht es tatsächlich anders aus. Da wird niemand gekündigt. Es wird vielmehr überlegt: Wie kann man die Leute weiterentwickeln? Gibt es andere Einsatzmöglichkeiten? Wir kriegen ja auch ganz viele Wünsche von den Mitarbeitern mitgeteilt. Manchmal ist es so, dass sie auch sagen: „Ich würde mich gerne weiterentwickeln, aber ich traue mich nicht, das anzusprechen.“ Dann geben wir sowas weiter. Wir wissen, wenn wir im Unternehmen sind, natürlich auch, in welchen Abteilungen vielleicht noch Bedarf ist. Und oftmals ist es wirklich eine Umverteilung.

Die Erfahrung zeigt, dass die Unternehmen oftmals wirklich eher zu wenig Personal haben als zu viel.

Und das ist übrigens auch all den Jahren geschuldet, in denen teilweise kaputtgespart wurde. Und da schließt sich der Kreis wieder zu diesem Ruf der Unternehmensberatungen, weil man auf Biegen und Brechen versucht hat, Stellen abzubauen. Das ging so weit, dass man Redundanzen, Urlaubsvertretungen, komplett aufgelöst hat und man sich heute extrem am Limit bewegt. Da darf nichts schiefgehen. Das ist alles, wie man so schön sagt, auf Kante.

Wie reagieren die Geschäftsführungen, wenn Sie ihnen sagen, das sie mehr Personal brauchen und Geld in die Hand nehmen müssen?

Das ist mit Sicherheit nicht das, was sie hören wollen. Wenn man das aber belegt und auch zeigt, warum das so ist und an welchen Stellen das so ist, dann sind sie sehr wohl bereit, dem zu folgen, weil sie sagen: „Okay, dann ist das so. Ich war mir dessen nicht bewusst.“ Manchmal kommen auch Kunden und sagen: „Ich habe das Gefühl, ich brauche mehr Personal, ich weiß bloß nicht, wieviel.“ Dann sind sie froh, wenn wenn sie einen Ansatz bekommen, welches Profil sie brauchen. Wir können durch unsere Methodik und unsere aggregierten Ergebnisse transparent machen, wo Leute gebraucht werden. Dann sieht die Geschäftsführung auch: „Tatsächlich, wir haben insgesamt eine Auslastung von 110 Prozent in der Abteilung. Dann ist ihnen vollkommen klar: Irgendwann ab 120 Prozent steigt die Krankheitsquote signifikant. Die guten Leute gehen vielleicht aus Überarbeitung. Ich versuche natürlich, so eine Negativspirale zu vermeiden.

Auf Ihrer Website ist die Rede davon, dass Sie Hand in Hand mit dem Betriebsrat arbeiten. Das klingt ja erstmal völlig absurd.

Eine Unternehmensberatung kann durchaus Hand in Hand mit dem Betriebsrat arbeiten.

© 3 Perspektiven GmbH, Eine Unternehmensberatung kann durchaus Hand in Hand mit dem Betriebsrat arbeiten.

Das ist auch erstmal für die Betriebsräte völlig absurd und sie können eigentlich gar nicht glauben, dass sowas wirklich funktioniert, weil wir natürlich der natürliche Feind des Betriebsrats sind. Aber wir stehen nicht nur auf der Seite des Arbeitgebers – auch wenn der unser Auftraggeber ist – sondern auch auf der Seite der Arbeitnehmer. Manchmal sagt der Betriebsrat: „Mensch, in der Abteilung, da passt was nicht. Das wissen wir. Ständig kriegen wir Beschwerden.“ Dann machen wir transparent, woran das liegt. Es kann sein, dass dabei rauskommt: „Ihr habt ein Personalthema, ihr habt ein Führungskraftthema.“

Es kann auch sein, dass wir feststellen, dass die Mitarbeitenden überarbeitet sind. Es kann aber auch sein, dass wir feststellen: „Nein, sie sind gar nicht überarbeitet. Sie haben ein Kommunikationsproblem oder haben die Aufgaben ungleich verteilt. Da sitzen zwei oder drei, die haben – mal auf Deutsch – gar nichts zu tun und die anderen machen sich krumm. Und immer werden alle Zusatzprojekte und alles, was wichtig ist, auf die Leistungsträger geschoben und die werden nach und nach verbrannt.“ Und da kommen dann die Beschwerden. Jeder Betriebsrat hat Interesse daran, dass das Unternehmen optimal aufgestellt ist. Und ich habe ganz oft auch von den Betriebsräten gehört: „Natürlich wollen wir die schwarzen Schafe nicht haben.“ Sie sind froh, wenn jemand auch mal darstellt, warum welche Entscheidungen getroffen werden.

Also mangelt es an der Kommunikation zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung?

In einigen Unternehmen gibt es teilweise wirklich verbrannte Erde. Da ist zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung oftmals ein großes Misstrauen, weil man in der Vergangenheit versucht hat, schnell hintenrum irgendwas durchzudrücken und den Betriebsrat nicht vollumfänglich zu informieren. Und dadurch entsteht ein tiefes Misstrauen: „Die wollen doch nur wieder auf Kosten der Mitarbeiter… die wollen Personal freisetzen!“ Deshalb zeigen wir dem Betriebsrat: „Schaut mal, die haben in dieser Abteilung wirklich viel zu wenig zu tun und in dem anderen Bereich haben sie zu viel Arbeit. Wie wäre es denn, wenn wir querqualifizieren?“

Der Betriebsrat hat ja auch einen Schmerz. Auf der einen Seite wollen die Betriebsräte für die Mitarbeiter da sein. Auf der anderen Seite wollen sie auch nicht an dem Ast sägen, auf dem sie sitzen, nämlich am Unternehmen selbst.

Sie haben ein ureigenstes Interesse daran, dass die Teams zufrieden sind, dass sie keine Beschwerden bearbeiten müssen, dass keine Konflikte entstehen, dass die Führungskräfte ordentlich funktionieren.

In 80 Prozent aller Fälle stellen wir fest, dass es Kommunikationsthemen gibt, ganz häufig auch Führungskraftthemen. Sowas machen wir transparent und geben es weiter und da ist der Betriebsrat froh, dass wir in der Rolle als „dritte Instanz“, wie wir mal bezeichnet wurden, sagen: „Liebes Unternehmen, hier habt ihr ein Problem mit der Führungskraft.“ Wir nehmen eine gefühlt dritte Perspektive ein. Deswegen erkennen Betriebsräte die Vorteile.

Teil 3 unserer Interviewreihe finden Sie hier.

Umfassende Erläuterungen zu unseren Leistungen finden Sie hier:

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