Innovation (durch) Zuhören als Führungsqualität

Ein aktueller Artikel der WirtschaftsWoche zeigt, wie wertvoll das Zuhören als Führungsqualität ist.

© pixabay.com, Zuhören als Führungsqualität

Im Jahr 1973 erschien im K. Thienemanns Verlag mit Momo oder Die seltsame Geschichte von den Zeit-Dieben und von dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte ein Jugendroman von Michael Ende, der heutigen Führungskräften zu denken geben sollte. Laut einer aktuellen Umfrage wenden viele Führungskräfte weniger als eine Stunde in der Woche auf, um ihren Mitarbeitern zuzuhören. Claudia Tödtmann greift dieses Ergebnis in ihrem Artikel Wer als Chef nicht zuhört, wird bald überflüssig sein auf und beschreibt das Zuhören explizit als Führungsqualität. Momo hingegen, die von keinerlei extrinsischen Faktoren wie Anerkennung oder gar Geld motiviert wird, bringt eine ganz besondere Fähigkeit in ihr Leben mit:

„Was die kleine Momo konnte wie kein anderer, das war das Zuhören. […] Momo konnte so zuhören, dass dummen Leuten plötzlich sehr gescheite Gedanken kamen. […] Dabei schaute sie den anderen mit ihren großen, dunklen Augen an, und der Betreffende fühlte, wie in ihm plötzlich Gedanken auftauchten, von denen er nie geahnt hatte, dass sie in ihm steckten. Sie konnte so zuhören, dass ratlose, unentschlossene Leute auf einmal ganz genau wussten, was sie wollten. Oder dass Schüchterne sich plötzlich frei und mutig fühlten. Oder dass Unglückliche und Bedrückte zuversichtlich und froh wurden. So konnte Momo zuhören!“

Führungsqualität Zuhören: Dummen Leuten kommen plötzlich sehr gescheite Gedanken

Es ist nicht erst Michael Endes Idee, dass sich menschliche Gedanken weiterentwickeln und konkretisieren, wenn sie ausgesprochen werden. Bereits zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts verfasste Heinrich von Kleist seinen Essay Die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden. Dieser Titel spricht für sich.

Und was heute, über 200 Jahre später, in den Köpfen Ihrer Mitarbeiter vorgeht, lohnt es, zu bergen. Zumal höchstwahrscheinlich ein wesentlicher Unterschied zwischen Momos Gesprächspartnern und Ihren Mitarbeitern besteht. Letztere lassen sich wohl kaum als „dumme Leute“ bezeichnen, weshalb ihre Gedanken noch weitaus „gescheiter“ ausfallen werden. Jede Innovation beruht auf einer Idee, die, in einem menschlichen Kopf entstanden und sprachlich konkretisiert, über ein theoretisches Konstrukt zu einem marktfähigen Produkt weiterentwickelt wird. Indem Sie Ihren Mitarbeitern schlicht zuhören, generieren Sie also unter Umständen relevante Umsätze für Ihr Unternehmen.

Mehr Performance: Unentschlossene Leute wissen auf einmal ganz genau, was sie wollen

Zuhören als Führungsqualität ist ein effektives Mittel zur Mitarbeitermotivation

© pixabay.com, Zuhören als Führungsqualität ist ein effektives Mittel zur Mitarbeitermotivation

Was jede Produktivität hemmt, das ist Unentschlossenheit. Eine Idee führt niemals an und für sich zum Ziel. Sei sie auch noch so vielversprechend und habe sie sich an Ihrem zuhörenden Ohr noch so sehr zu einem konkreten Ziel entwickelt. Ein Läufer, der die Idee hat, einen Marathon zu gewinnen, aber sich nicht entschließen kann, loszulaufen – wer weiß, vielleicht nieselt es ein wenig oder er hatte zum Frühstück lediglich einen Schokoriegel – wird das Ziel niemals erreichen. Ebenso verhält es sich mit den Ideen Ihrer Mitarbeiter. Wenn Sie ihnen die Möglichkeit geben, ihre Gedanken zu verbalisieren und sie zu festigen, kann es sehr schnell dazu kommen, dass sie sich entschließen, ihre Idee umzusetzen – weil sie es wollen. Und dann haben Sie effektives Performance Management betrieben – indem Sie zugehört haben.

Mitarbeitermotivation: Schüchterne fühlen sich plötzlich frei und mutig

Ein wesentliches Stichwort für jede Innovation ist Mut – den Momo durch ihr Zuhören in ihrem Gegenüber weckt. Mut wird nur da benötigt, wo Fehler möglich sind. Deshalb ist jede Innovation nicht nur an eine Idee, sondern auch an eine Fehlerkultur geknüpft. Denn am Fehler treffen sich Destruktivität und Produktivität. Um es mit den Worten von Daniel Bialecki zu sagen, der sich als Geschäftsführer der scoyo GmbH täglich mit dem Phänomen des Lernens auseinandersetzt, ist „Zerstörung die Bedingung von Erfolg“. Indem Sie Ihren Mitarbeitern zuhören, vermitteln Sie ihnen Interesse. So ermutigen Sie sie, Neuerungen zu wagen, auch wenn sie dabei Fehler begehen können.

Commitment steigern: Unglückliche und Bedrückte werden zuversichtlich und froh

Ein weiteres Thema, das eng mit Momos Fähigkeit verknüpft ist, ist die Zufriedenheit. Wenn wir auch diese nun aus dem phantastischen Zusammenhang eines märchenhaften Romans herauslösen, geht es hier durchaus ebenfalls um die Führungsqualität des Zuhörens. Denn Mitarbeiterzufriedenheit ist nicht nur eine verklärte Vorstellung aus dem esoterischen einundzwanzigsten Jahrhundert. So führt Tödtmann in ihrem Artikel mehrere Beispiele auf, die davon zeugen, dass Zuhören, Zufriedenheit und bilanzierbare Erfolge unmittelbar miteinander verknüpft sind. Karsten Eichmann, Vorstandsvorsitzender der Gothaer Versicherungen, nutzt die wenigen Minuten im Aufzug, um seinen Mitarbeitern zuzuhören. So kann er mit seiner internen Kommunikation an der richtigen Stelle ansetzen. Uwe Mommert, Geschäftsführer bei Landau Media, befragte seine Mitarbeiter, bevor er ein neues System für die Kundenverwaltung einführte. Auf diese Weise verhinderte er einen wesentlichen Fehler.

Der Zusammenhang ist einfach. Wer merkt, dass ihm zugehört wird, fühlt sich ernst genommen und wer sich von seinem Arbeitgeber ernst genommen fühlt, ist bereit, seine Ideen mit dem Unternehmen zu teilen. Wenn seine Vorschläge dann auch noch umgesetzt werden, steigert dies wiederum seine Zufriedenheit und er setzt sich auch in Zukunft für das Fortkommen seines Unternehmens ein. Kurz: Zuhören fördert das Commitment Ihrer Mitarbeiter.

Wir hören zu

Natürlich verfolgen Führungskräfte in der Regel keine bösen Absichten, wenn sie nur wenig Zeit aufwenden, um ihren Mitarbeitern zuzuhören. Denn sie sind selbst mit vielen operativen Aufgaben betraut und übernehmen einen Großteil der Kommunikation mit Kunden und Geschäftspartnern, sodass es vor allem an der Zeit mangelt, sich mit den Anliegen der Mitarbeiter auseinanderzusetzen. Darüber hinaus bestehen in jedem Unternehmen persönliche Abneigungen, die eine Führungskraft auch mit dem besten Willen häufig nur schwer überwinden kann.

Daher kann es sehr hilfreich sein, einen Partner von außen ins Haus zu holen. Im Rahmen intensiver Interviews befragen wir Ihre Mitarbeiter und ermitteln ihre Probleme und Optimierungshinweise. Anschließend entwickeln wir gemeinsam mit Ihnen Wege zur Optimierung Ihrer Geschäftsprozesse. Mehr zum Thema Geschäftsprozessoptimierung lesen Sie hier.

Auf eines möchten wir Sie dennoch hinweisen: Nutzen Sie die Zeit, die Sie haben, um Ihren Mitarbeitern zuzuhören. Es lohnt sich – sowohl menschlich als auch finanziell.

zurück zum Blog