Führung mal anders: Was wir noch von „The Wolf of Wall Street“ lernen können (Teil 3)

Kennen Sie The Wolf of Wallstreet, die Filmbiographie über das Leben Jordan Belforts, die Martin Scorsese im Jahr 2014 gemacht hat? Wenn ja, ignorieren Sie einmal das Engelchen auf Ihrer rechten Schulter, das sich über Sex, Drogen und Betrug empört. Und zwar so lange, wie Sie für die Lektüre dieses Artikels benötigen. Sollten Sie den Film nicht kennen, müssen Sie nichts weiter tun als zu lesen, was er Ihnen über Führung sagen kann.

© pixabay.com, Die Führung durch den Leitwolf

Teil 1 unserer Serie finden Sie hier.
Teil 2 unserer Serie finden Sie hier.

„Wir sind der gemeinsame Nenner“

Um Ihnen einen Eindruck zu vermitteln, worauf wir mit dieser Artikel-Serie hinauswollen: Schauen Sie sich zunächst dieses Video an. Das ist eine kurze Szene aus The Wolf of Wallstreet. Ein Hinweis: Der Mann auf der Bühne ist zwar Leonardo DiCaprio, verkörpert aber den Broker Jordan Belfort, Protagonist dieses Werks und Beispiel einer facettenreichen Führung, mit der wir differenziert umgehen sollten.

Jordan Belfort beginnt seine berufliche Karriere in den 1980er Jahren bei der Brokerfirma L. F. Rothschild an der Wall Street. Bei einem gemeinsamen Essen sagt sein Chef Mark Hanna etwas, auf dem Jordan noch aufbauen wird: „Wir sind der gemeinsame Nenner“. Rhythmisch klopft er sich auf die Brust und summt dazu eine eingängige Melodie, ebenjene, die Sie im Video gehört haben. Er fordert Jordan auf, einzusteigen. Und er steigt ein. Wie sehr, ist an dieser Stelle noch nicht zu erkennen. Aber er wird sich den gemeinsamen Nenner zwischen Führungskraft und Mitarbeitern zu Herzen nehmen.

Der gemeinsame Nenner unserer Beiträge zu dieser Serie ist folgender:
Jordan Belfort war der Chef der Broker-Firma Stratton Oakmont. The Wolf of Wall Street stellt ihn nicht nur als Geldhai mit zweifelhaftem Lebensstil, sondern auch als Führungskraft dar. Uns interessiert, was wir aus seinem Führungsstil für die Führung realer Unternehmen von heute mitnehmen können. Wichtig dabei: Wir betrachten die Figur Jordan Belfort, nicht die reale Person.

Nachdem Jordan eine erfolgreiche Firma mit einer großen Belegschaft aufgebaut hat, hält er regelmäßig Ansprachen an seine Mitarbeiter, die einer Analyse zu unterziehen sich lohnen – für die praktische Führungsarbeit in Ihrem Unternehmen.

Ansprache 2: Eine Armee von Telefonterroristen

„Habt ihr gerade euer Konto überzogen? Gut, nehmt den Hörer und fangt an zu wählen! Will euer Vermieter euch rausschmeißen? Gut, nehmt den Hörer und fangt an zu wählen! Hält eure Freundin euch für einen scheißnutzlosen Versager? Gut, nehmt den Hörer und fangt an zu wählen! Ich will, dass ihr eure Probleme bewältigt, indem ihr reich werdet! […] Seid grausame Krieger! Seid gnadenlose Henker! Eine Armee von Telefonterroristen! Jetzt zeigen wir diesen [zu vermeidendes Schimpfwort], wo es langgeht!“

Indem Jordan konkrete Probleme benennt, die mit großer Wahrscheinlichkeit viele seiner Mitarbeiter betreffen, vermittelt er, Verständnis für ebenjene Probleme aufzubringen. Auf diese Weise verkauft er die Arbeit bei Stratton Oakmont als persönliche Lösung für jeden Einzelnen. Besonders den Mitarbeitern, auf die seine Beispiele passen, wird eine solche konkrete und scheinbar einfache Lösung, d.h. den Hörer zu nehmen und anzufangen, sehr willkommen sein.

Von Geld und Liebe

Geld und Liebe liegen auf verschiedenen Stufen

© pixabay.com, Geld und Liebe liegen auf verschiedenen Stufen

Dabei vollzieht Jordan drei Stufen. Er beginnt mit einem eindeutig finanziellen Problem (überzogenes Konto). Auf der zweiten Ebene fragt er nach der Wohnsituation, die teilweise vielleicht unmittelbar mit Geld verknüpft ist (Miete), aber auch mit weniger zählbaren Themen, wie dem Verhalten des Mieters oder dem Eigenbedarf des Vermieters, zusammenhängen kann. Mit der dritten Stufe entfernt Jordan sich noch einen Schritt weiter von den konkreten Zahlen auf dem Konto, da eine langfristige Liebesbeziehung zwar nicht ohne Gespräche über Finanzielles auskommt, sich die Achtung voreinander aber aus sehr viel mehr speist.

All diese Themen bricht er auf Zahlen herunter und stellt die Problemlösung auf diese Weise als sehr einfach dar:

„Ich will, dass ihr eure Probleme bewältigt, indem ihr reicht werdet!“

,Wer Geld hat, hat keine Probleme mehr‘, sagt dieser Satz aus – einerseits. Andererseits sagt Jordan damit aber noch sehr viel mehr:

  • Jordan will, dass seine Mitarbeiter sehr viel Geld verdienen, wünscht sich also den zählbaren Gewinn nicht nur für sich selbst.
  • Er will, dass seine Mitarbeiter glücklicher werden und
  • er möchte, dass seine Mitarbeiter gesund bleiben. Googlen Sie einmal „Probleme bewältigen“. Sie werden vorrangig Seiten zum Thema psychische Gesundheit finden.

Indem er sich so zu seinen Mitarbeitern in Beziehung setzt, signalisiert er ein persönliches Interesse an ihrem Wohlergehen.

Von Problemen und Lösungen

Übertragen wir diese Ansprache nun in die Realität. Sicherlich erhalten Sie einige Sympathiepunkte, wenn Sie sich den persönlichen Problemen Ihrer Mitarbeiter gegenüber ausgeschlossen zeigen. Sollte es wirklich so sein, dass Jordan möchte, dass es seinen Mitarbeitern gut geht, ist das natürlich eine solide Basis – auf der aber aufgebaut werden muss. Im Film bleibt es bei einer bloßen Behauptung des Interesses. Hier und heute sollten Sie aber einen Schritt weitergehen. Denn Sagen ist das Eine, Zeigen aber ist etwas ganz anderes. So aufwändig es ist und so viel Zeit es kostet, wenn Sie Ihre Mitarbeiter von Ihrem Interesse an ihnen überzeugen wollen, sollten Sie das persönliche Gespräch suchen und jeden Einzelnen fragen: „Wo drückt der Schuh?“

Und auch dabei darf es leider nicht bleiben. Fragen Sie Ihre Mitarbeiter, was Sie tun können. Den Erfolg werden Sie spüren, wenn Ihre Mitarbeiter Ihrem Unternehmen lange erhalten bleiben. Wenn Sie die Lösung von Problemen sind, werden Ihre Mitarbeiter auch weiterhin mit persönlichem Einsatz am Ball bleiben.

Und das ist alles gar nicht so kompliziert wie es zunächst vielleicht klingt. Fangen wir bei den Gesprächen an: Zwei feste Termine im Jahr mit jedem Mitarbeiter können Wunder wirken. Meistens ist es gar nicht nötig, dass Sie alle Nasen lang Ihre Arbeit unterbrechen. Planen Sie einfach mit jedem Mitarbeiter jeweils ein umfangreiches Jahres- und Halbjahresgespräch.

Und dann die persönlichen Probleme Ihrer Mitarbeiter: Keine Sorge, wir verlangen keine psychotherapeutischen Fähigkeiten von Ihnen. Als Führungskraft können Sie lediglich Rahmenbedingungen schaffen. Und wer sagt denn, dass diese in vielen Fällen nicht schlicht in der Bezahlung liegen. So falsch liegt Jordan nämlich nicht: Sehr viele Probleme resultieren mehr oder weniger direkt aus dem Finanziellen.

Von Augenhöhe und Kompetenzen

Neben dem Geldthema spricht Jordan jedoch noch ein anderes Bedürfnis an: Sich selbst zu behaupten und ernst genommen zu werden. Wie Sie moralisch zu der erneut aufgerufenen metaphorischen Gewalt stehen, überlassen wir Ihnen. Worum es aber geht, ist vor allem der letzte Satz: „Jetzt zeigen wir [ihnen], wo es langgeht!“ Viele seiner Mitarbeiter, die Jordan nach eigenen Angaben „von der Straße“ geholt hat, fühlen sich gesellschaftlich gegängelt und unterdrückt. Auch hier geht es erneut um Geld, denn die beschimpften Kunden sind zum größten Teil sehr reich. Jordan vermittelt seinen Mitarbeiter nun, sich aus der unterdrückten Position erheben und die Unterdrücker in die Mangel nehmen zu können.

Klingt das auch etwas pathetisch, so steckt doch ein Kern darin, der Ihnen für Ihre Führungsarbeit vielleicht nützen kann. Was Jordan nämlich mit seiner gewaltverherrlichenden Ansprache sagt, ist, dass er an seine Mitarbeiter glaubt. Was das bewirkt, lässt sich eindeutig an der Reaktion der Belegschaft ablesen: Hemmungsloser Jubel bricht aus. Vor dem Hintergrund der US-amerikanischen Fiktion sollten Sie eine solche Reaktion natürlich nicht von Ihren Mitarbeitern erwarten. Aber die Wirkung macht sich auch in der Performance von Stratton Oakmont bemerkbar: „22 Millionen Dollar in drei […] Stunden!“, ruft Donnie Jordan am Nachmittag desselben Tages entgegen. Und auch Sie werden eine positive Tendenz bemerken, wenn Sie Ihren Mitarbeitern Ihren Glauben an ihre Fähigkeiten vermitteln.

Von Zahnrädern und Zielen

Und noch etwas lohnt es in Betracht zu ziehen: Jordans „Wir“. Zunächst spricht er seinen Mitarbeitern in der zweiten Person Mut zu. Letztendlich solidarisiert er sich aber auch sprachlich mit ihnen, indem „wir“ den Kunden zeigen, „wo es langgeht“. Auf diese Weise stellt er seine gehobene Position in den Hintergrund und mischt sich unter die Menge. Er und seine Mitarbeiter, sie alle verfolgen dasselbe Ziel.

Und wenn es auch im Alltag manchmal nicht so erscheinen mag, so wollen auch Sie und Ihre Mitarbeiter am Ende des Tages das Gleiche. Natürlich verfolgt jeder seine persönlichen Ziele, aber Sie sind schließlich ein Team, dessen übergeordnetes Ziel sich aus vielen Zielen zusammensetzt. Wichtig ist, dass dieses übergeordnete Ziel für jeden einzelnen präsent ist und er Sie ebenso als Zahnrad sieht wie sich selbst. So verliert sich der Gedanke unter Ihren Mitarbeitern, viele Dinge nur zu tun, weil Sie es wollen. Stattdessen wird jedem Einzelnen sein Anteil am großen Ganzen deutlich, sein „individueller Tätigkeitskontext“, wie er in Helmut Schröders Präsentation zum Fehlzeiten-Report 2018 genannt wird. Langfristig steigern Sie auf diese Weise auch die Zufriedenheit Ihrer Mitarbeiter, weil diese einen Sinn in ihrer Arbeit erkennen, und können somit wertvolle Fachkräfte halten.

Was wir für Sie tun können

Alles schön und gut, nur wo anfangen? Gerade in Bezug auf so „softe“ Themen wie Mitarbeiterzufriedenheit und Wertschätzung fällt es häufig schwer, gute Ratschläge umzusetzen. Es liegt in der Natur der Sache, dass diese Ratschläge immer einen mehr oder weniger großen Rest ihrer Abstraktheit behalten.

Gerne helfen wir Ihnen dabei, System in die Problematiken in Ihrem Unternehmen zu bringen und so die Basis für ein erfolgreiches Personalmanagement zu legen. In detaillierten Interviews befragen wir Ihre Mitarbeiter und bieten ihnen Raum für Optimierungshinweise, seien diese technischer, ablaufbezogener oder eben sozialer Natur. Anschließend schlagen wir Ihnen konkrete Maßnahmen zur Verbesserung in Ihrem Unternehmen vor.

Mehr zu unseren Angeboten zum Thema Leadership finden Sie hier.

Wie es weitergeht

Diese Ansprache ist nicht die einzige, die Jordan an seine Mitarbeiter hält. In der folgenden Rede geht es um einen „Scheck über 25.000“ oder – etwas konventioneller ausgedrückt – um das Vertrauen. Sie finden sie nächsten Montag hier auf diesem Blog.

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