Implizites und explizites Wissen

Im Wissensmanagement betrachtet man Wissen häufig im Bezug auf seine Verfügbarkeit. Sind Wissen und Informationen für andere Mitarbeiter überhaupt zugänglich?

Implizites Wissen und explizites Wissen

Falls ja, sind diese leicht auffindbar oder sind sie unter all den anderen Informationen verborgen, schwer zu erkennen oder gar überhaupt nicht zu bekommen? Somit unterscheidet man in implizites Wissen und explizites Wissen. Diese beiden Begrifflichkeiten wurden durch Michael Polanyi geprägt, der sich intensiv mit diesem Thema befasst hat.

Implizites Wissen wird oft – vereinzelt sogar in wissenschaftlicher Literatur – gleichgesetzt mit „Erfahrungswissen“. Das ist streng genommen so nicht ganz richtig, da implizites Wissen zunächst einmal nur heißt, dass „man einfach weiß, wie es geht“ oder „wie es zu tun ist“. Dies hat zwar sehr häufig mit Erfahrungen zu tun, muss aber eben nicht zwingend sein. Man könnte genausogut einer Inutition bzw. seinem „Bauchgefühl“ folgen, auch ohne jegliche Erfahrung mit einer Tätigkeit.

Das explizite Wissen ist hingegen – der Schlussfolgerung nach – der Teil des Wissens, der bereits dokumentiert bzw. genau beschrieben werden konnte. Dieses Wissen muss jedoch nicht zwingend niedergeschrieben sein, es kann genausogut durch andere Methoden zugänglich gemacht worden sein.

Auf Grund unserer Erfahrungen aus über 1.000 Interviews zur Hebung von implizitem Wissen können wir jedoch eine noch feinere Unterteilung vornehmen. Da wir sehr ergebnisorientiert und stets mit dem Ziel vorgehen, implizites Wissen möglichst vollständig zu heben und zu explizieren, teilen wir das gesamte Wissen eines Mitarbeiters sogar in 4 Bereiche auf:

Implizites Wissen Mitarbeiter

Wir wissen mittlerweile sehr genau, dass ein geringer Teil des Wissens für uns schlicht nicht erfassbar bzw. explizierbar sein wird – ganz gleich ob implizit oder explizit. Dies kann 2 Gründe haben:

  1. Der Mitarbeiter erinnert sich an bestimmte Inhalte zum Zeitpunkt der Weitergabe/Dokumentation einfach nicht mehr
  2. Der Mitarbeiter verschweigt bestimmte Inhalte ganz bewusst (z.B. persönliche Probleme mit Kollegen, bis dato noch nicht publik gewordene Fehler, Negativerlebnisse)

Rund ein Drittel allen Wissens eines Mitarbeiters ist hingegen bereits expliziert, meist sogar dokumentiert. Hierbei liegt die größte Herausforderung für uns darin, herauszufinden, welche dieser Inhalte, Dokumente oder Dateien noch aktuell oder für die Zukunft überhaupt noch relevant sind.

Der überwiegend größte Teil ist jedoch das implizite Wissen. Gerade hier konnten wir in der Vergangenheit eine wichtige Unterscheidung vornehmen. Der überwiegende Teil, meist über zwei Drittel, betrifft das leicht zu erfassende implizite Wissen, der übrige Teil, insbesondere bei technischen Berufen ausgeprägter, betrifft den schwierig zu erfassenden Teil.

Wie wir implizites Wissen heben

Zunächst einmal ist wichtig zu wissen, dass es 2 Gründe gibt, weshalb implizites Wissen bislang auch implizit geblieben ist:

  1. Weil der jeweilige Mitarbeiter es für nicht notwendig erachtet bzw. sich seines Wissens gar nicht bewusst ist
  2. Weil der jeweilige Mitarbeiter es schlichtweg nicht weitergeben oder dokumentieren kann

Tatsächlich stufen Mitarbeiter sehr viele kleinere Tätigkeiten oder Schritte, wie sie eine Aufgabe erledigen, als trivial oder als „das ist doch logisch“ ein. Eine Dokumentation oder bewusste Erwähnung wird hier als nicht notwendig erachtet. Dabei kann dieses implizite Wissen durch ganz simple Fragen sehr leicht erfasst und dokumentiert werden. Es kann daher auch sehr leicht selbst dokumentiert werden – man muss die Mitarbeiter nur explizit auf dieses Problem hinweisen und ihnen eine geeignete Strukturen und passende Fragen an die Hand geben.

Um schwierig zu hebendes implizites Wissen zu dokumentieren oder weitergeben zu können bedarf es hingegen anderer Methoden – hier ist es mit einfachen Fragen nicht getan. In der Praxis wenden wir je nach Szenario und der genauen Art der Wissensinhalte 3 Möglichkeiten an:

  1. Iterative Fragetechniken zur Ableitung von Entscheidungsregeln
  2. Wissenstransfer nach dem klassischen Unterweisungsprinzip der IHK
  3. Multimedia-Dokumentation insbesondere von Fertigkeiten oder Kenntnissen

Je nach Rahmenbedingung ist für die Explizierung von Wissen ein individueller Mix dieser 3 Möglichkeiten sinnvoll. Als Ausgangsbasis empfehlen wir daher grundsätzlich den Aufbau von Wissenskarten, um erst einmal eine geeignete Struktur zu schaffen. Hierfür haben sich folgende Methoden als praktikabel erwiesen:

Methoden zum Aufbau von Wissenskarten

Je nach Methode müssen Sie jedoch eine unterschiedliche Qualität des gehobenen impliziten Wissens erwarten. Während aus unserer Erfahrung heraus beispielsweise bei der selbständigen Dokumentation oder Weitergabe von Wissen meist 30-40% des relevanten Erfahrungswissens abgedeckt wird, kann eine individuelle Erfassung bzw. ein Wissenstransfer mit Einarbeitungsplan im Einzelinterview schon 80-90% abdecken.

Die Entscheidung, welche Methode die geeignetste ist, hängt von den Rahmenbedingungen und natürlich der Wichtigkeit des jeweiligen Mitarbeiters für das Unternehmen ab.

Wir erfassen implizites Wissen – über 1.000 Interviews

Wir können mittlerweile auf Praxiserfahrungen aus 12 Jahren und über 1.000 Interviews zurückgreifen. Ausgehend von wissenschaftlichen Modellen haben wir schrittweise eine eigene Methodik zum Erfassen von implizitem Wissen entwickelt, welche vor allem praxisnah ist und ein breites Spektrum an Stellen im Unternehmen abdecken kann. Unser Ziel war dabei möglichst viel Zeit einzusparen und insbesondere auch schwer erfassbare Wissensinhalte weitergeben oder dokumentieren zu können.

Um implizites Wissen mittels aller Methoden heben zu können, haben wir Wissensmanagement-Berater, Redakteure, Software-Architekten & -Entwickler, SharePoint-Berater, Microsoft Certified Trainer und SharePoint MVPs in unserem Unternehmen. Daher können wir Interviews für Sie durchführen, Ihnen aber auch Apps oder Checklisten zur Verfügung stellen, durch die Ihre Mitarbeiter implizites Wissen selbst dokumentieren oder weitergeben können.